Dieser Herr.

Und plötzlich war da dieser Herr. Ich war kurz davor, meine Schicht für heute zu beenden, da hörte ich meinen Kollegen fluchen. „Hey, Mike, komm‘ mal rüber“, rief er im nächsten Moment. „Sofort“, entgegnete ich.

Normalerweise riefen wir gar nicht durch den Laden. Dass das mein Kollege Tom machte, war schon ungewöhnlich genug. Als ich mich jedoch selbst rufend wahrgenommen habe, war ich verwundert. Ich spürte zu diesem Zeitpunkt, dass dies kein gewöhnlicher Feierabend werden sollte. Nach der Frühschicht würde der Tag ohnehin noch lang sein.

Tom wurde immer ungeduldiger und als ich ihn endlich erreichte, war er schon auf und davon und rief im Weggehen nur noch „Kümmer Du Dich um diesen Gast. Bitte…“. Ich war zunächst verwundert, wandte mich dann zu diesem Kunden, den ich bereits auf dem Weg zum Tisch gesehen und doch nicht erkannt hatte. Es passierte selten, dass zu dieser Uhrzeit neue Kunden in unser Lokal kamen.

„Entschuldigen Sie bitte meinen Kollegen, womit kann ich ihnen behilflich sein?“, fragte ich den Herren freundlich. „Setz Dich zu mir, Junge“, sagte er forsch. „Ich werde es Dir erzählen.“ Da ich nicht wusste, worum es geht, kam ich seiner doch etwas forsch formulierten Bitte nach.

„Danke“, entgegnete er mir. Er erzählte mir, dass er auf der Durchreise sei und noch Begleitung suchte. Immerhin war er schon beinahe siebzig Jahre alt, da könne man jede Begleitung gebrauchen. Ich war sehr skeptisch und verstummte. Ich kannte ihn nicht und ursprünglich hatte ich nicht vorgehabt, die Stadt zu verlassen.

„Ich gebe Dir bis morgen Zeit, Dich zu entscheiden.“, unterbrach er die Stille. „Um 12 Uhr erwarte ich eine Entscheidung.“

Und so verließ er das Lokal und ließ mich zurück. Was war ich froh, dass meine Schicht in wenigen Minuten vorüber war. Den Rest des Tagen verbrachte ich mit Freunden am See und versuchte mich weitestgehend zu entspannen. Doch kreisten die Gedanken immer wieder um das Angebot des fremden Herrn. Wo wollte er hin? Warum sollte ich mitkommen? Warum war Mike so aufgebracht? Es waren zu viele Fragen für diesen einen kurzen Tag.

Es war schon nach Mitternacht, da ich einschlief. Was morgen werden würde, das wusste ich nicht.

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