Hast du mir nicht was zu sagen?

„Hast du mir nicht was zu sagen?“

Oh, äh. Hab ich was verpasst? Ist was passiert? Habe ich etwas angestellt, von dem ich nichts weiß? Habe ich kein Geld mehr auf dem Konto? Was zum Teufel ist passiert?

„Was denn? Ist was passiert?“

„So habe ich Dich nicht erzogen.“

Och ne, echt jetzt? Wirklich? So? Auf die Art und Weise? Boah, nervt das jetzt schon.

„Wenn Du keinen Kontakt zu mir willst, sag es einfach.“

Vielleicht habe ich ja Gründe, warum ich nicht ständig schreibe? Vielleicht habe ich ein Leben, dass mir keine Lust bereitet, wenn ich immer wieder mit meiner Mutter für nichtsundwiedernichts diskutieren muss? Vielleicht sind nicht immer die anderen Schuld?

„Wenn Du mir jetzt sagst, ich müsse mich melden, sage ich dir, dass du dich auch melden kannst. Dann haben wir genau nichts erreicht und drehen uns im Kreis. Niemand hat sich verpflichtet, sich alle x Tage oder Wochen zu melden.“

„Dass mit dem Besuch habe ich schon abgehakt. Ist mir auch egal.“

Ja, genau. Genau deswegen musst du es jetzt erwähnen? Weil ich nein gesagt habe und du das nicht kennst.

„Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.“

„Ja…danke.“

Tuutuutuutuut.

 

Wenn ich möchte, dass sich Situationen ändern, weil sie mir nicht gefallen, sollte ich andere Worte wählen. Auch, wenn es die eigene Familie ist. Insbesondere dann. Ich lasse mich nicht behandeln wie Abschaum. Respekt sollte immer dazu gehören. Aber klar, der Rest das selbstverständlich anders. Ja, bestimmt.

Berufsschule.

In meiner Ausbildung darf ich blockweise nach Paderborn zur Berufsschule und für Seminare. So weit, so schlecht.

Doch in letzter Zeit, ich befinde mich aktuell im vierten Berufsschulblock – von insgesamt fünf, häufen sich Situationen, in denen ich mich frage, was ich hier mache.

Ein Beispiel aus dem Wirtschaftsunterricht:

Wir bekommen eine Aufgabe, ein Teil davon ist es, bestimmte Begriffe zu definieren. Wir bekommen einen Text, der für alle Aufgaben reichen soll. Nach ca. 2 Minuten stellt sich heraus, dass dieser Text 50% der Teilaufgaben nicht im Ansatz aufgreift. Wir sollen diese Begriffe definieren. Weil wir gefühlt in der sechsten Klasse sind, dürfen wir unser Handy natürlich nicht benutzen. Es sei denn, wir backen zur „Strafe“ Kuchen. Beim Vergleichen der Aufgaben frage ich, der Klassensprecher, unseren Lehrer, wie wir denn diese Aufgabe lösen sollen ohne Google oder Ähnliches bemühen zu dürfen. Und was dieser Text soll, der selbst für die andere Teilaufgabe nur zu 10% relevant ist.

Dann bin ich fast vom Stuhl gefallen. So erklärte er mir allen Ernstes, dass die Unterlagen nicht von ihm seien, sondern von seinen Kollegen und er nachträglich festgestellt habe, dass die Unterlagen nicht geeignet seien. Danke. Hinterher ist man immer schlauer.

Solche Situationen häufen sich. In fast allen Fächern. Ich bin erschüttert und erzürnt. Ich muss die Tage von 07:30 bis 15:00 Uhr opfern und gehe aktuell jeden Tag aus dem Gebäude und frage mich, was dieser Tag neben schlechter Laune gebracht hat.

Kürzlich, noch eine Geschichte: Die Klausur hat Themen beinhaltet, die weit zurücklagen und die Absprache über die Themen war eine andere. Angesprochen. Als Antwort nach einer Woche bekommen, dass das Thema dem Lehrer in diesem Moment egal ist. Das finde ich eine Frechheit. 40% der Klausur wurde nachträglich gestrichen.

Ich frage mich, was ich tun kann. Inwieweit ich es an meinen Chef eskalieren kann. Ob das überhaupt etwas bringt.

Das Gefühl, dass wir als Klasse missbraucht werden, um den Unterricht der Lehrer für andere Klassen vorzubereiten, häuft sich. Dreist.

Es nervt mich massiv. Das macht die Zeit in Paderborn, in der ich Frau und Kind nur am Wochenende sehen kann, nicht angenehmer.

Ich ärgere mich. Ich möchte was lernen und investiere dafür auch „gerne“ die Zeit in Paderborn. Doch, wenn nichts dabei rumkommt, fühle ich mich in meiner Zeit verarscht.

Hmpf.

Einige, wenige Worte.

Ein paar Worte. Mal wieder. 10 Monate Pause.

Ich möchte hier an dieser Stelle wieder ein paar Worte verloren. Für mich. Für euch. Für die, die sich womöglich Gedanken machen, was mit mir in der Zwischenzeit passiert ist.

Ich bin aktuell nicht glücklich mit mir. Mir fehlt die Gelassenheit, die ich mir einst erarbeitet habe und die mich ausgezeichnet hat. Mich stört es, dass ich selbst so leicht auf die Palme zu bringen bin. Mich stört es, dass ich mich ständig über alles möglich aufrege.

Wie die meisten wissen dürften, bin ich seit nunmehr 9 Wochen Papa. Dieses Glück füllt mich mit Energie. Ganz sicher. Und dennoch kostet es auch Kraft. Ich kämpfe auch noch damit, die Zeiten, die ich nicht arbeiten bin, wenn ich nicht gerade in Paderborn sein muss, so zu nutzen, dass ich am Ende des Tages wirklich glücklich und fröhlich ins Bett fallen kann.

Änderungen sind notwendig, damit ich wieder anders Situationen begegnen kann, die für mich persönlich eine Herausforderung darstellen. Insbesondere, wenn es darum geht, meine Freizeit so gestalten zu können, dass ich sie so annehmen kann, wie es die Tage zulassen.

Es bleibt spannend. Ich versuche, hier wieder öfters zu schreiben. Als ein Schritt der Änderungen, die ich für mich selbst als wichtig empfinde.

Ich mochte…

Ich mochte es, morgens mit Bier auf dem Camping-Stuhl im feuchten Rasen zu sitzen und die Aufwachenden zu beobachten. Ich mochte es, bei diversen Auftritten tanzend die Umwelt zu vergessen. Ich mochte jeden Sonnenbrand. Ich mochte jeden Regen. Ich mochte jeden betrunkenen Menschen, der beim Penis-Spiel die Hose herunter ließ.

Ich mochte es, jeden Tag Crepes mit Nutella zu essen. Ich mochte es, mit Freunden abzuhängen und zu lachen. Ich mochte es, viel zu lachen. Ich mochte es, am Strand zu entspannen. Ich mochte es, Schmerzen vom Armheben zu haben. Ich mochte es, in der Kälte durchgeschwitzt Kilometer zum Zelt zu laufen.

Ich mochte es, die Zeit gemeinsam zu genießen. Ich mochte die Joints und den Alkohol. Ich mochte es, Sonntagmorgens (15 Uhr) bei Kellerkommando in der Sonne aufzutanken. Ich mochte es, bei den Orsons mit Farbpulver beschmissen zu werden. Ich mochte es, bei Marsi im grünen Rauch (Gestank) zu stehen. Ich mochte es, den vorbeilaufenden Menschen Bewertungen zuzurufen.

Ich mochte es, dass der Pavillon beim Sturm zerbrach. Ich mochte es, mit den Pavillon-Stangen zu kämpfen. Ich mochte es, durch Trockeneis gekühlte Lebensmittel zu haben. Ich mochte es, von der Laune getrieben nicht jeden Auftritt verfolgt zu haben. Ich mochte es, bei The Streets den Regen genießen zu können. Ich mochte es, erschöpft zu sein. Ich mochte es, mich freitanzen zu können.

Ich mochte dies alles.

Und möchte es noch viel öfter. 4-Tage-Feierei. Vielleicht 2016 wieder. Auf dem Splash!-Festival!