Mia und Tom (3) – Die Verbindung

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Tom und Mia hatten sich vor fünf Jahren kennengelernt. Ganz zufällig bei einem Konzert von Korn. Und das, obwohl beide keine Fans von Korn sind. Sie waren lediglich die Begleitung. Da ihnen wenig am Auftritt der Band lag, waren beide unterwegs zur Bar, Nachschub besorgen.

„Entschuldigung, bestellen Sie noch oder warten Sie auf die Liebe des Lebens?“, fragte Mia Tom, der den Weg blockierte. Tom drehte sich verdutzt um und schaute Mia eine kurze Weile an. „Wenn ich zwischen den beiden Möglichkeiten wählen muss, suche ich nach der Liebe des Lebens.“, beantwortete Tom die Frage mit einem Grinsen. „Darf ich Du sagen? Ich bin so frei. Du Spaßvogel.“, reagierte Mia mit einem Lachen. „Bist Du allein hier?“, fragte Mia mit einem Grinsen. Tom wartete einen Moment, ehe er antworte. „Nicht ganz. Ich bin lediglich die Begleitung meiner Kumpels. Ich bin der Fahrer.“ Tom hob drei Flaschen Bier und eine Flasche Wasser in die Luft. „Oh. Verstehe. Ich bin auch nur hier, weil meine Freundin nicht alleine unter Männer wollte.“ Die beiden schauten sich eine kurze Weile an. Sie fingen an, sich gut zu unterhalten und vergaßen völlig, dass sie auf einem Konzert waren.

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Mia und Tom (2) – Am See (2)

Mia und Tom (2)

Am folgenden Tag konnten sich Mia und Tom nicht treffen. Mia hatte ihren, seit langer Zeit verfluchten, Klavierunterricht und Tom musste die Bremsen an seinem Auto austauschen.

Toms Auto war ohnehin eine fahrende Baustelle. Oft wurde er gefragt, warum er das Auto nicht einfach verkaufe und ein neues Auto kaufe. Seine Antwort war immer die gleiche. Er liebte sein Auto, ein Pickup. Ein alter Ford F-150, in einem leuchtendem Dunkelblau. In dieses Auto hatte er sich beim Anblick sofort verliebt. Er wusste, dass er viel Zeit für die Instandhaltung investieren werden muss. Er konnte sich jedoch auch sicher sein, dass Platz und Zeit für die Pflege vorhanden sein werden. Genau aus diesem Grund hat er sich geschworen, den Pickup nie zu verkaufen. Müsste er regelmäßig eine Werkstatt aufsuchen, wäre ein Abonnement die vermutlich günstigere Alternative.

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Mia und Tom (1) – Am See

Mia und Tom (1)

„Das habe ich doch bereits gestern gesehen“, dachte sich Mia als sie mit Tom am See spazieren ging. „Warum zeigt er mir das?“ „Wenn Du Dich jetzt fragen solltest, warum wir heute genau den gleichen Weg wie gestern und die Tage zuvor gehen, hast du mir eine besondere Kleinigkeit nicht mitgeteilt.“, sagte Tom als könne er Mias Gedanken lesen. „Und was bitte soll das sein?“, entgegnete Mia ohne groß zu überlegen. „Lass Dich überraschen. Du wirst es früh genug entdecke. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen. Oder an einem anderen Tag.“, waren die vorerst letzten Worte von Tom.

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Dieser Herr. Ein dritter Teil.

Dieser Herr. Ein erster Teil. | Dieser Herr. Ein zweiter Teil.

Wir fuhren also gen Süden. Ich achtete nicht besonders auf die Schilder, daher konnte ich nicht einschätzen wo wir uns befanden. Ich musste daran denken, wie verrückt dieser Tag verlaufen ist. Nachdem ich aufgestanden war, hatte ich überlegt wie ich Joe, dessen Namen ich mittlerweile kennengelernt hatte, eine Absage erteilen konnte. Und jetzt saß ich auf der Autobahn in Richtung Süden.

Mit den Worten „Wir machen hier eine kleine Rast“ riss mich Joe aus meinen Gedanken. „Äh, ja, okay…“ – „Keine Sorge, Mike, Du wirst bald alles verstehen. Das verspreche ich Dir!“

Mit diesen Worten ließ mich Joe auf dem Beifahrersitz zurück während er sich von der Ladefläche sein Zelt nahm und begann, seine Unterkunft für diese Nacht aufzubauen. „Hey, Mike, auf der Ladefläche ist noch ein Zelt und ein Schlafsack. Die habe ich für Dich gekauft. Du solltest langsam anfangen, Dein Zelt aufzubauen. Es wird bald dunkel. Oder möchtest Du etwa im Pickup schlafen?“

Erst jetzt wurde mir bewusst, dass wir an einem Campingplatz angehalten hatten. Ich schaute mich um und sah einen großräumigen Platz, auf dem sich einige Zelte befanden, jedoch sah ich keine Menschen. Etwas verwundert baute ich mein Zelt auf. Endlich geschafft, verabschiedete sich Joe zur Nachtruhe. Er gab mir einen Hinweis, dass in etwa 500m ein Strand sei. Da die Sonne noch nicht untergegangen war und dies wohl auch noch etwa eineinhalb Stunden auf sich warten lassen würde, schnappte ich mir ein Handtuch und ging zum Strand. Eine kleine Runde schwimmen kann ja nicht schaden, dachte ich.

Ich staunte nicht schlecht als ich am Strand angekommen war. Ich hätte mir nicht einen Gedanken über die Dunkelheit machen sollen, standen doch überall Lampen herum. In der Ferne entdeckte ich eine Bar, die gut besucht zu sein schien.

Ich blieb wohl eine kurze Zeit zu lang auf dem sandigen Fußweg stehen, es rannten zwei junge Frauen an mir vorbei. Eine von ihnen drehte sich um und rief ihrer Freundin zu, dass sie schon einmal vorgehen sollte. Sie habe noch was vergessen. Sie kam jedoch direkt auf mich zu und sprach mich an.

„Hey, Du. Bist Du ok? Du schaust sehr verwirrt aus. Kann ich Dir helfen?“ – „Äh, ja, danke… Ich war auf der Suche nach einer Runde Schwimmen und habe nicht damit gerechnet, dass hier eine Party stattfindet. Insbesondere nicht, wie viele Menschen hier sind. Entschuldige bitte, aber wo sind wir eigentlich? Ich habe die meiste Zeit der Reise geschlafen.“ – „Ha, Du bist ja lustig. Wir sind hier am Pallo Strand. Und diese Woche ist hier das Sommer-Strand-Fest.“

Ich wollte mich gerade zum Schwimmen verabschieden, da fragte sie mich, ob sie nicht mitkommen könne. „Ich kann das gut gebrauchen und noch ist es zu früh sich mit Cocktails zu betrinken. Außerdem scheinst Du interessant zu sein.“, waren ihre Argumente.

„Nun steh nicht so rum. Lass und schwimmen“, sagte sie, griff meine Hand und lief los während sie mich hinter sich herzog. Nach kurzer Zeit liefen wir gemeinsam nebeneinander und schnell war das Wasser erreicht. Ich zog schnell meine Klamotten aus und lief zu dieser jungen Frau ins Wasser, die mein Interesse geweckt hatte.“

Dieser Herr. Ein zweiter Teil.

Dieser Herr. Ein erster Teil.

Ich wachte um fünf Uhr auf, weil ich nicht aufhören konnte, an den Herren aus dem Lokal zu denken. War er mir doch bekannt und ich habe ihn bloß vergessen?

Da ich nicht schlafen konnte, entschied ich mich nach etwa fünfzehn Minuten, aufzustehen. Nachdem ich meinen üblichen Bad-Ablauf absolviert hatte, entschloss ich mich Frühstück zu besorgen. Es war bereits nach sechs Uhr und die Straßen wurden von der Sonne ausgeleuchtet.

Um halb elf betrat ich das Lokal. „Hey, Mike. Was machst Du denn hier? Ich dachte, Du hast heute frei?“, hörte ich Tom umgehen rufen. Er war schon immer sehr aufmerksam gewesen. „Bist Du wegen dem Verrückten von gestern hier?“

Ich wusste zuerst nicht so recht, was ich antworten sollte, da unterbrach mich Tom auch schon. „Hör mal zu, Mike. Das ist ein Spinner. Ich glaube ihm kein Wort. An Deiner Stelle würde ich ihm aus dem Weg gehen.“ „Aber ich bin nicht Du, Tom. Er hat mein Interesse geweckt.“ Tom hörte mir zu und verdrehte dabei mehrfach seine Augen. „Na, setz Dich mal hin und trink einen Kaffee. Vielleicht rüttelt der Dich wach.“

Ohne groß darüber nachzudenken, setzt ich mich hin. Ich trank meinen Kaffee und verlor mich in Gedanken als plötzlich mein Handy vibrierte. Es war bereits zehn vor zwölf und ich wusste noch immer nicht, wie ich mich entscheiden würde. Einerseits erweckte der Herr von gestern mein Interesse, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde; andererseits war das auch gleichzeitig ein Risiko. Was, wenn er etwas Böses vorhatte?

Ich war noch nicht fertig, meine Gedanken von links nach rechts zu werfen, da erblickte ich ihn durch die Schaufenster. Er lächelte, wirkte glücklich. Mir lief ein Schauer über den Rücken.

„Hallo, Mike“, begrüßte er mich als er sich ohne zu Fragen zu mir setzte. „Sie scheinen glücklich zu sein?“, fragte ich ihn. „Natürlich bin ich das. Schließlich bist Du hier.“ „Ich arbeite hier.“ „Aber heute nicht. Und die kommende Woche auch nicht. Euren Plan kann doch jeder Kunde lesen. Außerdem scheinst Du auch schon länger auf mich zu warten“, entgegnete er mir mit einem Lächeln während er auf den mittlerweile leeren Kaffee zeigte. „Ich habe über Ihr Angebot nachgedacht.“ „Du hast Dich schon längst entschieden, sonst wärst Du nicht hier.“ Ganz unrecht hatte er nicht. „Außerdem: Nenn mich Joe, Mike. Das muss sicher komisch gewesen sein, keinen Namen zu kennen.“

„Nicht nur das Joe, ich weiß auch noch immer nicht, was genau Ihr Plan ist, wo…“ „Dein Plan. Bitte, Mike. Wir sind jetzt Weggefährten. Wir können uns duzen.“ „Na gut, was ist dein Plan? Wo willst Du hin? Was ist das Ziel? Ohne Infos kann ich nicht einfach weg.“ „Die bekommst Du, keine Sorge. Ich möchte in den Süden fahren. An einen Fleck, an dem ich schon Jahrzehnte nicht mehr war. Mehr kann ich Dir gerade nicht sagen.“

Nach Süden. Was soll da schon sein. Natürlich verbinden Urlaube ungemein, doch einen so wichtigen Ort, dass ich ihn nach Jahrzehnten mit einer wildfremden Person besuchen möchte, das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war aufgeregt. „Ich müsste noch packen.“, bejahte ich plötzlich sein Angebot. So recht war ich mir nicht sicher. Aber mein Bauchgefühl wollte diese Reise antreten.

„Dann mal los.“ Wir gingen nach draußen und ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, war das Fahrzeug der Wahl ein F-150 von Ford. Mein Lieblings-PickUp. „Ich wusste, dass er Dir gefällt.“, meldete sich Joe nachdem wir eingestiegen waren. Er navigierte uns zu meiner Wohnung und nach etwa zwanzig Minuten hatte ich alles gepackt von dem ich dachte, dass ich es gebrauchen könnte. Und schon ging es los. Voller Vorfreund und Ungewissheit nahm ich auf dem Beifahrersitz platz.

Dieser Herr.

Und plötzlich war da dieser Herr. Ich war kurz davor, meine Schicht für heute zu beenden, da hörte ich meinen Kollegen fluchen. „Hey, Mike, komm‘ mal rüber“, rief er im nächsten Moment. „Sofort“, entgegnete ich.

Normalerweise riefen wir gar nicht durch den Laden. Dass das mein Kollege Tom machte, war schon ungewöhnlich genug. Als ich mich jedoch selbst rufend wahrgenommen habe, war ich verwundert. Ich spürte zu diesem Zeitpunkt, dass dies kein gewöhnlicher Feierabend werden sollte. Nach der Frühschicht würde der Tag ohnehin noch lang sein.

Tom wurde immer ungeduldiger und als ich ihn endlich erreichte, war er schon auf und davon und rief im Weggehen nur noch „Kümmer Du Dich um diesen Gast. Bitte…“. Ich war zunächst verwundert, wandte mich dann zu diesem Kunden, den ich bereits auf dem Weg zum Tisch gesehen und doch nicht erkannt hatte. Es passierte selten, dass zu dieser Uhrzeit neue Kunden in unser Lokal kamen.

„Entschuldigen Sie bitte meinen Kollegen, womit kann ich ihnen behilflich sein?“, fragte ich den Herren freundlich. „Setz Dich zu mir, Junge“, sagte er forsch. „Ich werde es Dir erzählen.“ Da ich nicht wusste, worum es geht, kam ich seiner doch etwas forsch formulierten Bitte nach.

„Danke“, entgegnete er mir. Er erzählte mir, dass er auf der Durchreise sei und noch Begleitung suchte. Immerhin war er schon beinahe siebzig Jahre alt, da könne man jede Begleitung gebrauchen. Ich war sehr skeptisch und verstummte. Ich kannte ihn nicht und ursprünglich hatte ich nicht vorgehabt, die Stadt zu verlassen.

„Ich gebe Dir bis morgen Zeit, Dich zu entscheiden.“, unterbrach er die Stille. „Um 12 Uhr erwarte ich eine Entscheidung.“

Und so verließ er das Lokal und ließ mich zurück. Was war ich froh, dass meine Schicht in wenigen Minuten vorüber war. Den Rest des Tagen verbrachte ich mit Freunden am See und versuchte mich weitestgehend zu entspannen. Doch kreisten die Gedanken immer wieder um das Angebot des fremden Herrn. Wo wollte er hin? Warum sollte ich mitkommen? Warum war Mike so aufgebracht? Es waren zu viele Fragen für diesen einen kurzen Tag.

Es war schon nach Mitternacht, da ich einschlief. Was morgen werden würde, das wusste ich nicht.